Willibald Fritsch

Eisendreher. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1895    † 1944

 

Lebenslauf

Willibald Fritsch wurde am 7.7.1895 in Wien geboren. Er arbeitete als Eisendreher. 1915 war er Soldat im 1.  Weltkrieg. Er geriet im Juli  1916 in russische Kriegsgefangenschaft. 1919 kam er nach Berlin (Arbeit bei AEG, Berlin-Henningsdorf). Er schloss sich der KPD an. 1933 wurde er in die ČSR abgeschoben. Nach Besetzung der ČSR kehrte er nach Berlin zurück. Im Mai  1942 erfolgte seine Rückkehr nach Wien (Arbeit in den Caro-Werken).

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 28. 10. 1943 wurde Willibald Fritsch verhaftet und am 5. 4. 1944 zum Tode verurteilt. Am 7.6.1944 wurde er im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus dem Urteil

„Der Angeklagte hat es damit unternommen, ein hochverräterisches Unternehmen vorzubereiten (…) Zugleich ging aber sein Ziel auch dahin, den Siegeswillen seiner Zuhörer zu vernichten, um durch einen verlorenen Krieg der kommunistischen Revolution die Wege zu ebnen(…) Seine in aller Öffentlichkeit geführten Hetzreden waren an sich geeignet, dieses Ziel zu erreichen. Der Angeklagte hat sich damit die Ziele des Feindes zu eigen gemacht, der wie im ersten Weltkrieg danach strebt, die innere Front in Deutschland zu vernichten, um der kämpfenden Truppe den Rückhalt zu nehmen (…) Gemäß § 73 StGB war der Angeklagte wegen Wehrkraftzersetzung zu bestrafen. Für dieses Verbrechen sieht das Gesetz grundsätzlich die Todesstrafe vor. Hierauf ist erkannt worden, denn wer, wie der Angeklagte, im fünften Jahre des schwersten Schicksalskampfes des deutschen Volkes in so übler Weise den heldenmütigen kämpfenden Heere in den Rücken fällt, verdient keine Milde.“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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